Über uns

Beim Betreten des Züchtungsgartens fühlt es sich an, als trete man in ein lebendiges Farblabyrinth: knallige bis pastellige Phloxblüten schmiegen sich an brusthohe Monarden, dazwischen stehen exotische, winterharte Alstroemerien und die neuesten Hemerocalliszüchtungen, während exquisite Rosen und Dahlien in ungewöhnlichen Formen und Farben wie kleine Skulpturen leuchten. Reihenweise Iris aus aller Welt, tiefrote Helenium, deren Blütenwolken über dem Laub zu schweben scheinen, füllen jeden Blick; Rittersporne einer übermannshohen Auslese und himmelsragende OT-Lilien, die aus fast drei Metern Höhe auf einen herabblicken, geben dem Garten eine theatralische Dimension.

Es gibt kaum noch Trittflächen; alles ist dicht gepackt mit den seltensten Schönheiten und eigenen Züchtungen. Farben koexistieren hier wie in einem Gemälde von Gerhard Richter: Jede Farbkombination ist erlaubt, und gerade in dieser Freiheit zeigt sich die Leidenschaft der beiden jungen Sammler und Lehrer, Toni Hackel und Nadja Uhlmann aus Leipzig, die sich über die Gesellschaft der Staudenfreunde gefunden haben.

Aus dieser Begegnung ist 2025 das StaudenAtelier entstanden: kein reines Sammlermuseum, sondern ein Laboratorium der Möglichkeiten, in dem zwei Züchter und Staudenliebhaber ihre Funde, Ideen und Züchtungen zusammenführen, experimentieren und der nächsten Generation von Stauden neue Gesichter geben wollen.

Toni bringt seine Züchtungen von Hemerocallis, Helenium, Iris und Phlox ein; seine Beete sind Versuchsfelder für Robustheit, Blühdauer und ungewöhnliche Farbkombinationen. Nadja ist die Dahlienexpertin und arbeitet außerdem an staudigen Begleitpflanzen wie Geum und Hylotelephium, um längere Stiele und ein besseres Vasenleben zu erzielen. Auf der neuen gemeinsamen Fläche testen sie ihre Selektionen nebeneinander, vergleichen Ergebnisse und tauschen Beobachtungen aus. Aus der Zusammenarbeit ist mehr geworden als ein Projekt: eine tiefe Freundschaft, getragen von gemeinsamer Leidenschaft und Freude am Experimentieren.

Jeder Züchter weiß um die Schwierigkeit, eine fleißige Hand beim Bestäuben und den begrenzten Platz in Einklang zu bringen; kommt das Betrachten neuer Sämlinge beim Betreten des Gartens dem Auspacken eines Geschenks gleich. Die Liste an Anforderungen für Pflanzenneuheiten ist lang. Umso wichtiger ist eine harte Selektion auf Einzigartigkeit.

Dahingehend kann das StaudenAtelier bereits erste, sichtbare Erfolge vorweisen. Besonders stolz sind sie auf den neuen Phlox „Rosemarie Wadewitz“: Bei den filigranen Phloxblüten wird bewusst auf gezielte Bestäubung verzichtet und die Arbeit den Insekten überlassen. Favorisiert wurden kleinblütige Typen. Eine Zuchtlinie geht zurück auf die Hybridform „Hesperis“ (Coen Jansen, 1992), die Standfestigkeit, Gesundheit und Kleinblütigkeit vererbt. In der F2‑Generation erschien ein altrosa Sämling mit einem dichten Blütenstand, der eher an eine Bauernhortensie erinnert als an klassischen Phlox — getauft nach Tonis Großmutter, die seine gärtnerische Leidenschaft entfachte.

Zudem wurden zwei weitere Züchtungen offiziell anerkannt: die Iris „Nimbus Olympique“ ist bei der American Iris Society registriert, die Dahlie „LUMI Pink Tassel“ erhielt eine Registrierung bei der Royal Horticultural Society. Weitere Sorten des Ateliers stehen auf Versuchsflächen im Botanischen Garten in Prag. Das Helenium „Tonis Rote Zora“ wurde europaweit an zwölf Standorten in größerem Maßstab ausgepflanzt, um Standfestigkeit und Blühverhalten flächendeckend zu testen. Diese Eintragungen bestätigen nicht nur die Qualität der Selektionen, sondern öffnen auch Türen für Austausch und Präsentation in internationalen Züchterkreisen.

Unzählige Pläne liegen vor dem StaudenAtelier: langfristige Versuchsreihen, erweiterte Tausch- und Präsentationsflächen sowie Kooperationen mit botanischen Gärten und Sammlergruppen. Ihre Herzensangelegenheit ist klar: die schönsten Züchtungen in privaten Gärten zu sehen, dort, wo sie täglich Freude schenken und sich in lebendigen Pflanzbildern bewähren.

Eine kleine Staudengärtnerei zu eröffnen bleibt für Toni und Nadja ein großer Traum: ein eigener Ort, an dem ihre schönsten Selektionen weitervermehrt, liebevoll verpackt und direkt an begeisterte Gärtner abgegeben werden — ein lebendiges Schaufenster ihrer Arbeit und ein Treffpunkt für Gleichgesinnte. Dieser innige Wunsch wird angetrieben von der Vorstellung, die eigenen Züchtungen in zahllosen privaten Gärten wiederzufinden. Gleichzeitig ist die Gründung einer Gärtnerei derzeit noch nicht umsetzbar und so bleibt die Idee vorerst ein sehnsüchtiges Projekt am Horizont. Stattdessen sammeln sie Erfahrungen, bauen schrittweise die Grundlagen auf, die eines Tages eine realistische Basis für die Verwirklichung ihres Traums bilden könnten und wecken die Liebe zur Pflanzenwelt in ihrem schulischen Alltag.

Wir erweitern ab 2026 das Staudenatelier um eine neue Fläche. Hier sehen Sie erste Einblicke.