Die Freuden des Hybridisierens von Taglilien

Kennt ihr das? – Die kurzen Tage ziehen sich ewig lang, unsere Stauden befinden sich in der Winterruhe und die Vorfreude auf die Farbenpracht im nächsten Jahr wird mit jedem Wintermonat größer.

Dann kommt euch dieses Projekt zur Hilfe! Ist man in Besitz einer Anzuchtstation mit lichtstarken Anzuchtlampen, so kann man viele Prozesse als Staudenzüchter beschleunigen. Eine Gattung von Stauden – die Taglilien (Hemerocallis) – warten mit einer Vielfalt an züchterischen Möglichkeiten auf. Kinderleicht lassen sich Elternpflanzen bestäuben. Die Anzucht gelingt nahezu immer und die Jungpflanzen wachsen zu kräftigen Horsten heran, welche über die Jahre kaum Pflege benötigen. Die einzigen Ansprüche, welche gestellt werden sind: Sonne, reichlich Wasser während der Blüte sowie nährstoffreicher Boden. Eine Düngergabe vor und nach der Blüte wird von den Pflanzen wertgeschätzt.

Zur Züchtung von Hemerocallis gibt es im Internet genügend Artikel. Vor allem in den USA existieren unzählige Züchter, welche sich diversen Zuchtzielen widmen. Von riesigen, gerüschten, gezähnten Blüten mit grünem Schlund, applikativem Auge und mehreren Farbnuancen pro Blüte bis hin zur zierlichen Miniatursorte, welche kaum kniehoch wird, ist alles vorhanden. Eine unserer Zuchtlinien baut auf der fantastischen Sorte „From China with Love“ (diploid, dormant, Dr. Thomas Tamberg, 2006) auf. Diese Pflanze bringt Blütenstände hervor, welche extrem reich verzweigt sind und sich mit Blüten bedecken. Freudiger Weise vererbt sie diese Eigenschaft dominant. Bei der Kreuzung mit anderen diploiden Sorten wie „Phill Warbasse“ (diploid, dormant, George Doorakian, 2012) entstanden zahlreiche, reichblütige Sämlinge mit hohen, kräftigen Blütenstielen. Viele dieser Sämlinge haben über 50 Knospen pro Blütenstiel und damit teilweise 300 Knospen an einem 2-jährigen Horst. Interessanterweise besitzen viele Sämlinge den grünen Schlund der Vatersorte sowie die helle Mittellinie auf den Petalen.

Beim Kreuzen zu beachten ist lediglich der Ploidiegrad, also die Anzahl der Chromosomensätze pro Zelle, der Eltern. So existieren Sorten mit doppeltem Chromosomensatz (diploid) und zahlreiche mit vierfachem Chromosomensatz (tetraploid). Die tetraploiden Sorten sind in allen Pflanzenmerkmalen dicker und größer. Die Zellgröße verdoppelt sich und somit werden sowohl das Gewebe der Laubblätter, der Wurzel, des Blütenstiels und der Kronblätter „fleischiger“. Warum ist dies wichtig? Ganz einfach: Es lassen sich nur Pflanzen mit demselben Ploidiegrad kreuzen (Bsp.: diploid x diploid oder tetraploid x tetraploid). Sogar die Samen sind mindestens doppelt so groß wie bei diploiden Sorten (links: diploide Samen, rechts: tetraploide Samen)

Der Samen wird emsig geerntet und kühl und trocken verwahrt. Eigentlich wartet man nun mit der Aussaat bis Anfang März, wenn die Tage wieder länger werden. Die Blüte erfolgt dann meist im darauffolgenden Jahr.

Nun ist es aber wie es ist: Gärtner sind zwar geduldige Menschen, aber das Gefühl eine neu öffnende Blüte zu betrachten ist schöner als Geschenke auspacken an Heiligabend. Daher säen wir unsere Hemerocallis-Samen bereits Anfang Dezember aus. Vorher werden sie 4 Wochen lang, eingewickelt in feuchtem Zellstoff, im Kühlschrank (Achtung: NICHT im Gefrierfach!) aufbewahrt. Diese kurze Kälteperiode simuliert den Winter. Im Anschluss steigt bei vielen Kreuzungen die Keimrate an.

Die Samen werden 0,5 cm tief in ein Blumenerde-Perlit-Gemisch (Verhältnis = 2:1) ausgesät und in einem Zimmergewächshaus feucht und warm gehalten. Nach 7 – 10 Tagen keimen die kleinen Jungpflanzen. Zunächst ähneln sie einem Graskeimling. Zügig entwickeln sie weitere Laubblätter, werden in einzelne Töpfe pikiert und verbringen ihre Zeit bis März unter den Pflanzenlampen. Danach ziehen sie in ein frostfrei geheiztes Gewächshaus um und werden Mitte Mai ausgepflanzt. Die ersten Blüten erscheinen oft bereits im Juli, spätestens im Folgejahr. Nachfolgend sind Sämlinge einen bzw. zwei Monate nach der Keimung zu sehen.

Die Vielfalt ist enorm! Doch damit geht ein guter Vorsatz einher – sich trennen zu müssen. Viele Sämlinge sind zwar hübsch anzusehen, aber entsprechen sie nicht dem Zuchtziel sollte man besser gleich „kurzen Prozess machen“. Ein Beispiel dafür ist dieser Sämling aus „Jelly Basket“ (diploid, semi-evergreen, Elizabeth Salter, 2009) x „Here’s To You Bill Robinson“ (diploid, evergreen, Elizabeth Salter, 2018). Dieser Sämling zeigt ein schlechtes Blütenöffnungsverhalten.

Zum „Appetit anregen“ findet sich hier noch ein Beispiel für die Ergebnisse der eigenen Kreuzungen aus „Printmaker“ (diploid, evergreen, Ludlow Lambertson, 2012) und „Phill Warbasse“ (diploid, dormant, George Doorakian, 2012). Viel Spaß beim Ausprobieren!



Eine Antwort zu „Die Freuden des Hybridisierens von Taglilien“

  1. Tolle Anleitung zum züchten. Ich liebe Taglilien, habe auch eine kleine Sammlung, zum züchten fehlt mir die Geduld. Dafür gibt es ja euch!

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